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„Patienten mit Morbus Crohn im akutem Schub, Differenzierung d.Zelllinie SCP-1 „

Osteoporose?
„Das betrifft doch nur ältere Frauen“!
Diese Aussage stimmt so nicht. Leider tritt Osteoporose verstärkt auch als Folgeerkrankung auf; entweder aufgrund von langzeitigen Medikamentengaben wie z. B. Cortison  oder  aufgrund von oft chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder rheumatoider Arthritis. In diesen Fällen kann die Osteoporose auch junge Frauen und Männer betreffen.
Um die Vorgänge zu klären, die dafür verantwortlich sind, dass es durch Entzündungen im Darm zu einer Abnahme der Knochenfestigkeit kommen kann, haben wir in Zellkulturen Versuche an Knochenzellen durchgeführt. Dazu werden Zellkulturen aus Knochenmaterial angelegt welches aus Operationen stammt, in denen Knie- oder Hüftprothesen eingesetzt wurden. Zu diesen Knochenzellen wurde Serum, das von einer Blutentnahme bei Morbus Crohn Patienten stammt, gegeben und anschließend untersucht, wie sich die Knochenzellen in ihrer Entwicklung, ihrem Aufbau und ihrem Abbau verhalten. Als Kontrolle wurde Serum von denselben Personen verwendet, das aus einer Blutentnahme nach Abklingen der bestehenden Darmentzündung stammte oder von gesunden Freiwilligen gewonnen wurde.
Wir können zeigen, dass die Entzündungsmarker IL-6, IL-1 beta und TNF alpha, wie sie während des akuten Schubs in Seren von Morbus Crohn Patienten gemessen werden, nur in Kombination einen negativen Einfluss auf das Gleichgewicht des Knochenaufbau-Knochenabbaus haben, indem sie die knochenabbauenden Zellen indirekt aktivieren. Dabei zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede, die andeuteten, dass weibliche Morbus Crohn Patienten während des akuten Krankheitsschubs besser vor diesem Knochenabbau geschützt sein könnten als Männer.
Geschlechtsunabhängig werden sowohl der Fett- als auch der Eisenstoffwechsel in den Knochenzellen durch Applikation der Osteoporose-Patientenseren in der Akutphase reguliert. Wir können z.B. nachweisen, dass das bei der LDL-Cholesterin Regulation eine große Rolle spielende Gen PCSK9 durch Seren von Morbus Crohn Patienten mit Osteoporose stark hochreguliert wird und dies könnte besonders im Knochen zu einer „Verfettung“ und somit zu einer Instabilität des Knochens führen. Antikörper gegen dieses Eiweiß werden bereits zur Behandlung der Arteriosklerose eingesetzt.
Drei weitere Eiweiße konnten identifiziert werden, die als Angriffspunkte an der knochenaufbauenden Zelle für Seren von Morbus Crohn Patienten dienen und damit zu einer Osteoporose führen könnten: Mevalonatkinase (MVK), das eine entscheidende Funktion bei der Cholesterinsynthese hat und zu verstärktem Knochenverlust führt; HTRA1, das die Induktion knochenbildender Prozesse blockiert und FADS3, ein Eiweiß der Fettsynthese, das den Wechsel vom Knochenzellcharakter hin zum Fettzellcharakter darstellt.
Die Untersuchungen zeigen also, dass Bestandteile im Serums von Patienten mit Morbus Crohn die Eiweißzusammensetzung der Knochenzellen negativ beeinflusst und damit eine Instabilität der Knochen verursachen könnte. Eine Verschiebung hin zu einer Verfettung des Knochens zeigt sich auf mehreren Ebenen. Über die Induktion bestimmter Moleküle wird indirekt der Knochenabbau stimuliert.

Förderdatum

28. Mai 2013

Forscher*innen

Prof. Dr. Heide Siggelkow

Universität

Abteilung Gastroentrologie, Universitätsmedizin Göttingen

Sind Sie oder Ihre Angehörigen von Osteoporose betroffen?

Die Elsbeth Bonhoff Stiftung fördert ausschließlich die Osteoporose-Forschung. Wir bieten leider keine Informationen oder Unterstützung für Betroffene oder Angehörige.